Veröffentlicht am 28-05-2019

Spiel mit der Kunstgeschichte im Stedelijk Museum

Jacqueline de Jong // “Tournevicieux cosmonautique” // 1966.

Die gesammelten Werke von Jacqueline de Jong zeigen nicht nur die interessante Entwicklung ihrer eigenen Stile und Techniken, sondern geben auch einen Einblick in die avantgardistischen Bewegungen in Europa und anderswo in den 1960er Jahren. Derzeit zeigt das Stedelijk Museum in Amsterdam zusammen mit der Künstlerin eine kuratierte Ausstellung, die ihr chronologisches Schaffen nachzeichnet und die Werke mit den damit verbundenen künstlerischen Tendenzen und Ereignissen verbindet.

In den 13 Ausstellungsräumen „spielt“ de Jong Kunstgeschichte, indem sie ihre eigenen Werke mit verschiedenen verwandten Künstlern, Kunstbüchern und bisher nicht gesehenem Archivmaterial kombiniert.

Besonders interessant ist de Jongs Engagement für die Internationale Situationniste. Dies war ein radikal antikapitalistisches, anti-konsumistisches Kunstkollektiv, das versuchte, die Grenzen der Kunst zu überwinden. Ihr Engagement für diesen Radikalismus erreichte einen besonderen Höhepunkt, als sie 1962 die Maler der Gruppe rausschmissen, die in den Augen der Situationisten kommerzielle Objekte herstellten. Unbeeindruckt von ihrem Ausscheiden aus dem Kollektiv gab de Jong ihre eigene Reihe von Zeitschriften heraus, die Situationist Times. De Jong unterschied sich von der Internationalen Situationniste durch die Präsentation einer wirklich multidisziplinären und lebendigen Werksammlung in The Situationist Times. All dies kann im Museum besichtigt und bewundert werden.

Jacqueline de Jong // „Le Pouvoir au Peuple“ // 1968

Von nun an war der Begriff der Topologien von zentraler Bedeutung für de Jongs Arbeit. Diese stützen sich auf alternative Wissensformen, die die spielerische Nutzung des Raums betonen und sich um Missverständnisse und Dialektik drehen. Der Höhepunkt dieses topologischen Ansatzes ist Jacqueline de Jongs Untersuchung des Flipperautomaten. Ihre Arbeiten zu diesem Thema sind in Berichten über die Flipper-Weltmeisterschaft 1972 zu sehen, die direkt vor dem Stedelijk Museum stattfand.

Jacqueline de Jong //

Passenderweise beschäftigte sich de Jongs Arbeit häufig mit Erzählungen, und nun, zusammengenommen, macht das Museum eine große Erzählung von ihrem eigenen Werk. Wie eine Pinball-Zauberin tanzt sie durch die Kunstgeschichte und spielt mit ihrer eigenen Arbeit und der von verwandten Künstlern.

Pinball Wizard: Das Werk und das Leben von Jacqueline de Jong können vom 9. Februar bis 18. August 2019 im Stedelijk Museum in Amsterdam besichtigt werden.

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