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Veröffentlicht am 27-03-2019

Transit bietet Oldschool-Romantik und zeitlose Tragödie

Bewertet von Kristy Puchko

Die grausamste Wendung der Geschichte ist, wie sie sich gnadenlos wiederholt. Als sich der Staub des Zweiten Weltkrieges festsetzte, schrieb die deutsche Autorin Anna Seghers Transit, einen Roman, der sich auf einen Konzentrationslagerflüchtling konzentrierte, der vor den NS-Truppen flüchtete. Während Schlagzeilen und politische Propaganda die Flüchtlinge in Schwärmen eindringen könnten, zielte das Buch von Seghers darauf ab, die Persönlichkeit dieser Menschen wiederherzustellen und ihre Geschichten zu teilen, um ihre Menschlichkeit zu zeigen. 75 Jahre später tobt die Debatte über Flüchtlinge immer noch regelmäßig. Das könnte erklären, warum der deutsche Filmemacher Christian Petzold die Transit-Adaption schräg gestellt hat und seine Einstellung so zeitlos wie seine erschütternde Geschichte macht.

Franz Rogowski spielt die Hauptrolle als Georg, ein scharf geschlagener, aber stoischer Deutscher, der im besetzten Frankreich gestrandet ist. Als die Streitkräfte näher kommen, sucht er einen Ausweg und entdeckt im Unglück eines anderen Glück. Als er gebeten wird, dem berühmten Schriftsteller Weidel wichtige Briefe zu bringen, findet Georg den Mann nicht, nur das, was er zurückgelassen hat: ein verlassenes Manuskript, ein mit Blut verkrustetes Bad und ein nicht gekennzeichnetes Grab. Dieser blaukragenige Mensch schnappt sich die Reisepapiere des Toten und hat keine Chance zu entkommen. Aber eine Reise nach Marseille riskiert alles. Dort findet Georg nicht nur den Verbündeten, den er braucht, um ihn ins Ausland zu holen, sondern auch Weidels Frau Marie (Paula Beer), die nicht weiß, dass sie eine Witwe ist und auf die Ankunft ihres Mannes wartet. Entgegen den Widrigkeiten entdecken diese beiden missmutigen Fremden die Liebe wieder, was sie zu unmöglichen Entscheidungen drängt.

Paula Beer und Franz Rogowski in Transit

Wenn Sie sich Transit ansehen, könnten Sie zunächst gleich nach dem Zweiten Weltkrieg davon ausgehen, wie das Ausgangsmaterial. Dann tauchen neugierige Details auf, wie ein beiläufiger Verweis auf den George A. Romero Zombie-Film von 1978, Dawn of the Dead. Während niemand Handys oder Laptops verwendet, verfügen die Bars über Flachbildfernseher. Die Kostüme sind zwar zeitgenössisch, sind jedoch Anzüge und Kleidungslinien, die auf die klassischen Hollywood-Romanzen von Casablanca und To Have and Have Not zurückgreifen. Außerdem vermeidet Petzold die Verwendung der Nazi-Ikonographie. Aber während die Identität des Feindes vage bleibt, wird durch die Rede von „Faschisten“, „Lagern“ und „Säubern“ deutlich, welche Bedrohung sie darstellen: Tod.

Diese Bedrohung droht über den französischen Coffeeshops, Kopfsteinpflasterstraßen und gemütlichen Apartments mit Blick auf das blendende Meer, wodurch ihre Schönheit zerbrechlich und umso wertvoller wirkt. So ist auch die Liebe. Dies ist kein Melodrama, bei dem Kleidung zerrissen wird, Tränen werden zitternde Kinnfäden herabfließen, und Schuldgeständnisse oder Liebesbekundungen werden das Theater prasseln. Diese Flüchtlinge haben nicht den Luxus für ein so emotionales Schauspiel. Ihre Schmerzen spiegeln sich in müden Augen wider. Ihre Liebe drückte sich in einfachen Geschenken von Eisbecher oder gestohlenen Küssen aus. Alles ist an diesem Ort unterworfen, aber nicht weniger ergreifend. Weil jede subtile Verschiebung des Ausdrucks und die sanft gesprochene Aufnahme uns an ein Leben erinnern, das am Rand eines Rasiermessers lebt. Diese Menschen, die auf die Menschlichkeit anderer angewiesen sind, müssen auf Eierschalen laufen und jedes kleine Vergnügen, das ihnen in den Weg kommt, schenken, bevor die Truppen, die die Aufstandsausrüstung tragen, alles wegnehmen.

Die Mehrdeutigkeit der Umgebung lehnt die zu häufige Desinfektion in historischen Stücken um historische Ungerechtigkeiten ab. Mit diesen ist es zu einfach, die Entmenschlichung eines Volkes als schreckliches Artefakt einer längst vergangenen Zeit zu sehen. Ein mitreißender Monolog, der von aufstrebenden Instrumentals unterstützt wird, könnte das Publikum aus dem Theater riechen und das Gefühl haben, Rassismus sei tot. Der Faschismus ist für immer besiegt. Gleichgültigkeit gegenüber der Not der Flüchtlinge ist obsolet! Aber die Schlüpfrigkeit von Transits Einstellung verweigert uns den falschen Trost und erhöht gleichzeitig die Dringlichkeit von Georg und Maries Not. Aber es waren die Auftritte von Rogowski und Beer, die es begründeten.

Franz Rogowski

Wie Bogart trägt auch Rogowski einen betörenden, aber belagerten Bravado und er hat eine einzigartige Tasse an sich. Dunkle Augen glitzern unter einer starken Stirn. Eine gekrümmte Nase und eine vernarbte Oberlippe deuten auf eine hartgesottene Hintergrundgeschichte hin, die Georg sofort dazu veranlasst, sich als unbeholfenen Überlebenden vorzulesen, wenn nicht ein verhärteter Einzelgänger. Aber in Marseille, wo sich die Bedrohung weiter entfernt fühlt, wird Georg lebendig. Ein sanftes Lächeln mit sanften Händen und einer krachenden, aber warmen Stimme, als er ein fast vergessenes Schlaflied singt. Die Augen von Beer passen sich an seine Intensität an, blitzen vor Argwohn, Reue und Sehnsucht. Ihre nach unten gerichteten Lippen sind eine scharfe Warnung, die zu einer zärtlichen Einladung übergeht, während die Ecken zu einem leichten Lächeln aufsteigen. Dies ist ein Film mit kleinen Siegen, geschätzten Momenten. Transits Leads spiegeln dies mit Feinheiten wider, die so scharf sind, dass sie stechen.

Für eine Geschichte über Krieg, Invasion, Völkermord und Liebhaber von Stars ist Transit fast alarmierend leise. Für eine verrückte Welt ist es ein geflüsterter Aufruf zum Mitleid. Ihre Botschaft wirkt jedoch klar und deutlich.

@ riotmaterialriotmaterial.com

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